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Sonntag, 6. Mai 2012

Drama auf dem Storchenhorst

Wer jetzt hier liest und den letzten Storchenpost noch  nicht gelesen hat, sollte vielleicht erst mal nach unten scrollen und sich diesen anschauen, da sich dies gerade einen Tag vor diesem Drama hier abspielte.

Als ich am Freitagvormittag zum Einkaufen fuhr, hielt ich natürlich wieder beim Storchenhorst an und schon von weitem sah ich, dass da irgendetwas nicht stimmte. Ein Storch stand im Nest und zerrte etwas hin und her.
Nachdem ich das Auto geparkt hatte und zum Storchenhorst lief, sah ich, wie der Storch, wobei ich hier stark auf Frau Storch tippte, denn inzwischen kann ich die beiden doch recht gut auf Grund ihrer Größe im Verhältnis zum Nest unterscheiden. Das, womit sie sich abmühte, war ein Storchenküken. Hier hebt sie es gerade auf.


Sie hebt es auf und hat es im Schnabel.


Was hier recht harmlos aussieht, war aber ein erbitterter Kampf, irgendwie mit dem Wesen fertig zu werden und das nachfolgende Foto zeigt, dass sie versuchte, das Küken zu schlucken.


Immer wieder drehte sie das kleine Storchenkind im Schnabel, zerrte es oben auf dem Horst
hin und her und immer wieder der Versuch, es zu fressen.
Ich sage euch, es war einfach furchtbar anzuschauen. Was machte sie da? Ich konnte es einfach nicht begreifen. Sie ist ja eine bruterfahrene Mutter. Immer wieder hielt sie inne, den Hals des Kükens in ihrem Schnabel und schaute zu mir herüber.


Die Fotos hier wirken recht harmlos und spiegeln nicht das wider, was sich da wirklich abspielte.
Inzwischen waren auch zwei unserer Männer vom Vogelschutzbund gekommen, weil beide auch mal wieder nach dem brütenden Paar schauen wollten.

Auch Herr Paul sagte, so etwas hätte er noch nicht gesehen und vielleicht sei es gar nicht unser Storchenweibchen, sondern ein fremder Storch, der versuchte, die Babies zu töten. So etwas ist ja nicht selten bei vielen Tierarten in der Natur.

Ich glaubte das selbst aber nicht, denn dieses Paar würde den eigenen Horst mit aller Härte verteitigen, das erlebten wir ja schon im letzten Jahr bei der Storchenberingung. Dennoch gingen mir die schlimmsten Gedanken durch den Kopf.
"Ist dem Männchen vielleicht etwas geschehen? Versucht sie nun, ein Küken zu fressen, um vielleicht noch weitere zu füttern, denn sie würde nie den Horst alleine lassen, wenn vielleicht noch weitere Küken im Nest wären."

Herr Paul sagte, er würde nach Hause fahren, sein Spektiv holen, um die Nummer am Ring des Storches abzulesen. Gesagt, getan, an Hand der Nummer wussten wir dann, dass es unser Storchenweibchen war. Der Kampf oben ging weiter.

Es ist ein Wahnsinn, was man durch so ein Spektiv alles erkennen kann und zur größten Freude entdeckte ich dann doch noch zwei weitere kleine Schnäbel und Köpfchen. Hurra, es sind also doch noch Storchenkinder am Leben.
Inzwischen waren schon 1 1/2 Stunden vergangen. Wo war das Männchen?
Auf mich machte das Ganze einen Eindruck, als würde sie versuchen, das Kleine zu reanimieren. Normalerweise werfen ja Störche tote Kinder aus dem Nest, irgendwie konnte sie sich von dem kleinen Wesen nicht trennen und nahm es immer wieder in den Schnabel, hob es hoch und schaute zu uns herüber.


Ich wäre am liebsten dort hinauf gestiegen und hätte sie befreit von dem Küken, dem Schmerz. Sie machte auf mich einen total überforderten Eindruck und inzwischen wirkte sie auch schon sehr müde.
Ich beschloss, jetzt erst mal einkaufen zu gehen, fuhr aber vorher noch mal die Strecke ab entlang den Wiesen, wo sich Herr Storch normalerweise immer aufhält. Nichts von ihm zu sehen weit und breit.

Als ich mit dem Einkaufen fertig war, hielt ich erneut am Storchenhorst an, der Himmel hatte sich inzwischen zugezogen und die Storchenmama, die sich zur anderen Seite gedreht hatte, mühte sich immer noch mit dem Küken ab, was jetzt schon ganz zerfleddert war. 



Ich hätte heulen können, weil man in einer solchen Situtation total machtlos ist. Sie legte immer wieder das Küken ab, hob es hoch, zerrte es hin und her.
Plötzlich, es waren jetzt schon 2 1/2 Stunden vergangen, kam Herr Storch angeflogen.

Jetzt liefen mir erst mal die Tränen vor Erleichterung.....ihm war nichts geschehen, er lebte. Und dann gab es erst mal eine freudige Begrüßung auf dem Horst.



Beide klapperten, wie ich sie schon lange nicht mehr habe klappern hören, wenn einer von beiden weg war und wieder kam. Ab diesem Zeitpunkt, wo er ankam, ließ sie das kleine Küken in Ruhe, sie standen eine Weile nebeneinander und er begann sich zu putzen. Er kümmerte sich aber in keiner Weise um das tote Küken. Ab jetzt deutete nichts mehr darauf hin, was sich gerade da oben abgespielt hatte. Plötzlich kam ein dritter Storch angeflogen und drehte einige Runden über dem Horst.


Sofort begannen unsere beiden oben wieder zu klappern, dies aber jetzt, um dem Fremden zu zeigen, dass dies ihr Revier sei.



Nachdem der fremde Storch abgezogen war, standen beide wieder ganz friedlich auf dem Horst, er putzte sich und schaut, was sie tat! Seht ihr das kleine Schnäbelchen?


Eins der beiden Storchenkinder schaut zu seiner Mama hinauf. Was mich verwunderte, war, dass er nichts zum Fressen mitgebracht hatte. 
Ich schaute den beiden noch ein wenig zu, dann drehte ich mich um, um zum Auto zu gehen. Noch mal ein letzter Blick zurück.......ups...... er war nicht mehr da. Den Abflug hatte ich jetzt verpasst, also ist er sicherlich wieder weggeflogen, um auf Futtersuche zu gehen.
Von dem toten Küken war nichts mehr zu sehen und  sie hatte diesen erbitterten Kampf aufgegeben.

Résumé meinerseits: das Küken im Nest war wahrscheinlich tot und sie war total überfordert, was sie damit anstellen sollte. Ich glaube nie und nimmer, dass sie das Küken getötet hat, dafür zeigte sie sich in den letzten beiden Jahren als eine überaus liebevolle und sehr umsorgende Storchenmama.
Mein Mann fuhr am späten Nachmittag noch mal zum Horst und ging direkt in die Wiesen hinein um zu schauen, ob sie vielleicht das Küken doch aus dem Nest geworfen haben. Aber als er sich dem Horst näherte, machte sie oben Drohgebärden und fing richtig kräftig an zu fauchen. Er trat natürlich sofort den Rückzug an. Vom Küken konnte er nichts erkennen, sie war wieder alleine auf dem Horst.

Gestern, Regentag, waren wir wieder am Horst, sie kuschelte auf den Kleinen im Nest und er stand etwas entfernt im strömenden Regen in den Wiesen.

Ich werde weiter berichten.


Kommentare:

  1. Liebe Christa,
    Deine Geschichte hat mir Tränen in den Augen schießen lassen.
    Und Deine Bilderdazu sind ja einmalig.
    Vielleicht ist das Kind wegen der Kühle gestorben oder es hatte zu wenig Futter.Oder der dritte Storch hat es angegriffen.
    Ich hoffe dass die anderen Kinder überleben und wünsche Dir noch einen schönen Sonntag,Christa.

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  2. Liebe Christa,
    mein Mann erzählt mir gerade dass das oft ist.Andere Störche wollen die Nester erobern und es spielen sich dann solche Dramen ab.Und Du hattest nun die Gelegenheit alles in Bildern feszuhalten .

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    1. Liebe Christa,

      mir sind, als ich diesen Post hier schrieb, auch wieder die Tränen gelaufen.
      Dass das Kleine zu wenig Futter bekam, glaube ich nicht, denn es sah doch wohl genährt aus.
      Ich weiß, dass es oft ziemlich heftige Kämpfe gibt um die Storchennester und auch unsere beiden haben im letzten und vorletzten Jahr schon andere Störche vertrieben, die sich im ganz nahe gelegenen Horst ansiedeln wollten, sie lassen das einfach nicht zu.

      Ich denke mal, das Küken ist aus irgendeinem Grund gestorben.

      Ja, hoffen wir, dass die beiden anderen es schaffen werden.

      LG Christa

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  3. Liebe Christa,
    das ist ja der reinste Krimi, den Du da schilderst. Ich möchte nicht in Deiner Haut gesteckt haben und hätte da auch vermutlich nicht zuschauen können, in Hinblick auf die eigene Hilflosigkeit, weil man einfach nichts tun kann.
    Ich habe erlebt, dass Tiere ihren Nachwuchs töten, wenn etwas nicht in Ordnung oder eins nicht überlebensfähig oder krank ist. Auch die Glucken hacken ihre Küken tot ... grausam !! Auch wenn es schrecklich mitzuerleben ist, so ist des dennoch human. Sie folgen ihrem Instinkt. Meine Versuche da mal einzugreifen und das kranke Tier zu retten und zu behandeln, schlugen völlig fehl und hinterher tat es mir leid, noch mehr Leiden verursacht zu haben.
    Wir werden es wohl nie erfahren, was da in Eurem Horst die Ursache war und können es lediglich nur hinnehmen. Schade.
    Trotzdem leben die anderen Jungstörche noch und das ist eine große Freude !!
    Danke für Deinen Bericht und Dir dennoch einen schönen Sonntag
    wünscht Joona

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    1. Liebe Joona,

      du kannst das alles gut nachvollziehen, da du ja solche Sachen schon selbst live erlebt hast.

      Joona, ich glaube, wenn sie das Kleine hätte verschlucken können, sie hätte es getan, denn es daraufhin hinaus. Das Küken war aber zu groß für sie, um es zu schlucken. Ich glaube, für sie wäre das die natürlichste Sache der Welt gewesen, es zu entsorgen.
      Es ist halt Natur und du hast Recht, wir müssen es einfach so hinnehmen. Nicht umsonst heißt es: die Natur regelt es schon selbst.

      Auch dir, liebe Joona, noch einen schönen Sonntag.

      LG Christa

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  4. Liebe Christa,

    man kann nur apekulieren, was die Ursache des Dramas ist. Vielleicht war das Kleine unterkühlt, vielleicht hat es etwas unverträgliches gefressen und hat eine Darmverschlingung bekommen, vielleicht war es auch zu gut behudert und ist unter der Mutter erstickt. Man kann da nur rätseln. Es ist traurig, wenn man da machtlos zugucken muß. Aber solche Tragödien kommen in der Natur immer wieder vor.

    Bleibt zu hoffen, daß die restlichen Küken durch kommen.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag.

    LG Hans

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    1. Hallo Hans,

      wir werden es wohl nie erfahren, was die Ursache des Todes dieses Küken war.
      Es macht einem halt nur sehr traurig, wenn man dieses Storchenpaar jetzt schon das dritte Jahr beobachtet und so etwas noch nicht erlebt hat.

      Wir drücken jetzt den beiden anderen Küken ganz fest die Daumen, dass sie es schaffen werden.

      LG Christa

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  5. wie traurig, sowas miterleben zu müssen..... hoffentlich bringen sie das/die anderen Babys durch

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    1. Ja, Gabi, das war einfach schlimm anzuschauen....heul.

      LG Christa

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  6. Es hatte vorhin gerade aufgehört zu regnen, mein Mann und ich fuhren noch mal los zum Storchenhorst. Beide Elternpaare waren im Nest und als wir Auto parkten, flog sie gerade los. Er stand oben, breitete seine Flügel aus und stocherte mit dem Schnabel bei den Kleinen im Nest herum.
    Wir fuhren ihr nach, sie stolzierte auf einem Feld, fraß, flog ein wenig weiter in die Wiesen.

    Auf jeden Fall geht es ihnen gut. Hoffentlich wird es wieder wärmer.

    LG Christa

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  7. Dramatik pur, man kann sehr gut verstehen wie Du dich gefühlt hast...aber wie HaPe schon geschrieben hat das ist der Lauf der Natur..der manchmal hart anzusehen ist..wollen wir hoffen das die anderen zwei durchkommen. Werde es weiter verfolgen...
    Grüsse Frank

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    1. Wie wahr, Frank, die Natur ist manchmal wirklich hart. Ich hoffe, ich werde euch das Großwerden der beiden anderen Kinder zeigen können.

      LG Christa

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  8. Ohh, beim Lesen habe ich eine Gänsehaut bekommen. Vielleicht ist das Küken auch erfroren, da es momentan nicht sehr warm ist, aber zum Glück leben die anderen Küken.
    Das wir man wohl nie herausbekommen, was da geschehen ist und ich denke auch, dass die Storchenfrau mit dem toten Küken überfordert war, sogar wohl sehr traurig.
    Das tut mir alles so leid und hoffe, dass die anderen durchkommen.

    Liebe Grüße zu dir und einen schönen Sonntag.

    Mathilda ♥

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    1. Vielen Dank auch dir, liebe Mathilda, für deine Zeilen.

      LG Christa

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  9. Du hast den Text super geschrieben und deine Fotos sind wie immer gut geworden. Ich bin richtig ergriffen! Tja, was da nun genau vorging und vorgeht, wird sich nicht herausfinden lassen. Aber mich wundert es, wenn das tote Vögelchen immer noch im Nest liegen sollte. Ich glaube, wenn sie es fressen wollte, hätte sie es sicher getan. Aus Zooberichten in den Medien weiss ich, dass Eltern mitunter ihre Kinder abstoße oder nicht annehmen. Da passieren dann auch solche Dinge, wie tot-beissen... Bei uns Menschen gibt es auch psych. Krankheiten, z.B. Mütter, die dafür Sorgen, dass ihr Kind ständig krank ist... oder dass die Zwischenmenschlichkeit & Eltern-Kind-Liebe von Anfang an gestört ist. Also bleibt zu hoffen, dass die anderen Storchenbabys überleben. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
    Danke für deinen Kommentar. Für dich hoffe ich dies auch, denn wenn du dir ein langes Leben wünschst sollst du es auch haben. Ich sebst bin nicht so der Sonnenschein, war noch nie begeistert vom Leben, auch wenn man immer sagt, wir haben nur dieses eine. Naja, vor dem Sterben habe ich natürl auch irgendwo Angst, aber das sind normale biologisch bedingte Ängste, die jeder Mensch hat. Ein Wortspiel, weil der Hase unter ins Grass beissen etwas anderes verstehen dürfte als wir Menschen, aber natürlich etwas morbide, wie ich so bin, auch wenn das im Blog normalerweise nicht so rüberkommt, weil ich mich auch selbst mit den Fotos hier positiv beeinflussen kann.
    Ich habe dir einen Award verliehen, den du aber nicht annehmen musst, wenn du nicht magst. Also nur wenn du möchtest, aber fühle dich bitte zu nichts gezwungen.
    LG
    Wieczorama (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  10. Was für eine traurige Geschichte, Christa - ich kann sehr gut nachempfinden wie du dich gefühlt hast - ich hab beim Lesen schon fast losgeheult... Traurige, grausame Welt manchmal... auch wenn es verstandesgemäß vielleicht wieder völlig normal ist...
    Ich hoffe dass die beiden anderen Küken durchkommen, dass die Sonne bald wieder scheint und wärmt und die Eltern genug Futter finden!
    Und dir, liebe Christa, wünsche ich dass du das Erlebnis nicht mit in den Schlaf nimmst!

    Alles Liebe, Ina

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  11. Herrje wie schrecklich.... musste echt schlucken gerade... Hoffentlich kommen die anderen durch!
    LG
    Micha

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  12. UPS..das ist ja ein Drama..
    Danke für diesen Bericht aus der Natur..
    LG vom katerchen

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  13. Wie traurig, wo ich mich doch immer so über die Störche und deine Fotos freue.
    Hoffentlich schaffen es die beiden anderen Jungtiere.

    LG Vera

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  14. Eine spannende Geschichte mit tollen Fotos.
    Ich erinnere mich, dass so etwas ähnliches auch bei den Pfalzstörchen in Bornheim passiert ist. Wenn die Eltern nicht genug Futter ranschaffen können verzichten sie auf das kleinste Kücken. Dieses käme sowieso gegen die grösseren Geschwister nicht auf, denn diese haben den Schnabel immer vorne und das Kleine würde schwächer und schwächer.
    So irgendwie habe ich es in Erinnerung.
    LG, Trudy

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  15. Ach...das ist ja furchtbar. Mir haben sich die Nackenhaare aufgestellt, als ich deinen traurigen Beitrag lesen mußte. Warum und weswegen werden wir wohl nicht erfahren, aber ich hoffe ganz fest, daß die anderen Jungen durchkommen...Trotzdes furchtbaren Ereignisses sind deine Aufnahmen großartig....
    Liebe Grüße, Karin

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